• Max Gaertner

Online Unterricht und die technische Umsetzung

Online Lessons stellen in Zeiten der Corona Krise eine wichtige Einnahme für Musikerinnen und Musiker dar. In unserem Technik Check erklären wir, mit welchem Audio und Video Equipment man den Online Unterricht optimal realisieren kann.

Die aktuelle Lage stellt uns MusikerInnen vor große Herausforderungen. Konzerte sind abgesagt, Musikschulen und Hochschulen geschlossen. Online Lessons sind in dieser außergewöhnlichen Situation die Chance, um weiterhin für seine Schülerinnen und Schüler da zu sein und auch finanziell unbeschadet aus der Corona-Krise herauszukommen.


Die Basics

Smartphones und Tablets verfügen über hochqualitative Audio- und Videotechnik

Die Qualität der Mikrofone und Kameras in modernen Smartphones und Tablets ist mittlerweile so gut, dass die ersten Schritte im Bereich Online Unterricht bereits mit minimalem Equipment stattfinden können. Man braucht lediglich eine gute Internetverbindung und schon können die virtuellen Instrumentalstunden beginnen.

Besonders empfehlenswert hinsichtlich Kamera- und Mikrofonqualität sind hier das iPhone 11 Pro und das iPad Pro 12,9" sowie das Huawei Mate 30 Pro und das Samsung Galaxy Tab S6. Zur optimalen Positionierung der Kamera benötigt man ein gutes Stativ.

Um eine möglichst gute Bildqualität zu liefern, sollten Raum sowie Gesicht der Lehrperson gut ausgeleuchtet sein. Hierfür sollte man mit wenigstens zwei Raumlampen sowohl Musiker und Instrument als auch die Rückwand des gefilmten Raums beleuchten.

Wenn man noch etwas professioneller starten möchte, besteht die Möglichkeit, entsprechendes Licht-Equipment anzuschaffen.

Für die zentrale Beleuchtung des Kopfs empfiehlt sich der Einsatz eines sogenannten Ringlichts und um eine größere Fläche auszuleuchten, sollte man ein LED-Videolicht-Set benutzen.


Upgrade

Hat man die ersten Gehversuche gemacht, seine bisherigen SchülerInnen für den Online Unterricht begeistern und vielleich sogar einige neue hinzugewinnen können, ist es Zeit für eine Upgrade in Sachen Audioqualität. Mit einem Ansteckmikrofon verbessert man mit einer kleinen Investition seine Audioqualität enorm und bietet seinen SchülerInnen eine komfortablere Unterrichtssituation. Wir haben hier sehr gute Erfahrungen mit dem Shure MV88 gemacht und dieses auch für den Podcast getestet. Der Vorteil solcher Mikrofone ist, dass die direkt in Smartphone oder Tablet eingesteckt werden können und kein separates Stativ benötigen.


Next Level

Professioneller Instrumentalunterricht braucht optimale Audioqualität.

So wie der musikalische Prozess immer mit Optimierung einhergeht, muss man auch das technische Setting von Online Lessons regelmäßig einem Qualitäts-Check unterziehen. Um die Audioqualität nochmals zu verbessern, kann ein Audio-Interface eingesetzt werden. Auf diese Weise schafft man eine Schnittstelle zwischen Smartphone oder Tablet und professionellem Audio-Equipment. Auf diese Weise hat man die Möglichkeit, Profi-Mikrofone in den Prozess einzubinden, die man sonst für Studioaufnahmen oder im Live-Bereich nutzt. Das kann von Vorteil sein, weil viele MusikerInnen bereits über ein spezielles Mikrofon für ihr Instrument verfügen und deshalb kein neues kaufen müssen. Ein empfehlenswertes Interface ist das Irig Duo und als Mikrofone haben sich beispielsweise der Klassiker Shure SM 57 oder die Edel-Variante Neumann u87 Ai.

Um während der Lesson besser kommunizieren zu können sollte man mit der Zeit in einen Studiokopfhörer investieren, mit dem man sowohl den eigenen Sound als auch den des Schülers besser hören kann. Häufig verwendet wird im Studiobereich das Modell DT 770 von Beyerdynamic.

Ein weiterer Tipp kann bares Geld sparen: Viele MusikerInnen haben bereits einen mobilen Recorder (z.B. von Zoom), um Konzerte oder Proben aufzunehmen. Diese Geräte kann man mit einem entsprechenden Adapter an Smartphone oder Tablet anschließen und als Audio-Interface sowie Mikrofon nutzen. Oft ist die Audioqualität der mobilen Recorder sehr gut und selbst, wenn man noch kein solches Gerät besitzt, lohnt sich die Überlegung. Denn die Zeit nach der Corona-Krise wird kommen und wir werden wieder zum regulären persönlichen Unterricht übergehen. Wer dann sein Geld in einen mobilen Rekorder investiert hat, wird auch im späteren Konzert- und Probenbetrieb noch seinen Spaß damit haben.

Wir haben im Test einen Zoom H6 Recorder mit einem Lightning-Adapter an ein iPhone angeschlossen. Die On-Board-Mikrofone des Zoom H6 sind sehr gut und haben völlig ausgereicht, aber optional hätte man noch die Möglichkeit bis zu 4 weitere externe Mikrofone anzuschließen. Das kann zum einen für Schlagzeuger mit mehreren Trommeln oder Becken hilfreich sein, aber auch für zB. den Anschluss eines separaten Sprachmikrofons genutzt werden. Im Test haben wir z.B. ein Sennheiser XSW Lavalier-Set an den Zoom Rekorder angeschlossen und so ein drahtloses Sprachmikrofon zusätzlich zum Instrumentenmikrofon erhalten. Auf diese Weise hat man den Vorteil, beim Spielen auch spontan kommentieren zu können und sowohl für das Instrument als auch für die Stimme eine optimale Lautstärke einstellen zu können. Natürlich kann man dafür auch ein Standard Sprachmikrofon nehmen, wie z.B. das Shure SM58.

Je nach Setting haben wir ein Lammcou Tischstativ oder ein Manfrotto Kamerastativ genutzt, um den Zoom H6 im Raum zu platzieren.


To be continued...


Die Entwicklung und Erprobung neuer Unterrichtsformate ist immer ein fließender Prozess und niemals wirklich abgeschlossen. Wir werden fleißig weiter forschen und aktuelle Ergebnisse regelmäßig nachtragen, hoffen aber, dass der Artikel erstmal einen guten Überblick über die verschiedenen technischen Möglichkeiten im Bereich Online Lessons verschafft.

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