• Kristin Thielemann

Zehn Motivationsgeheimnisse für Eltern

Liebe Eltern!


Vorweg - hier geht es um den Musikunterricht eurer Kinder. Natürlich können diese Motivationsgeheimnisse für Eltern auch beim schulischen Lernen etwas nützen, sie beziehen sich aber in erster Linie auf das musikalische Lernen.


Mit der Motivation von Kindern ist das so eine Sache: Heute Feuer und Flamme ("Ich will unbedingt dieses Instrument lernen! Dieses und kein anderes!") kann es ein paar Wochen später leicht einmal ein Motivationstief geben. "Können wir die Geige nicht auf eBay verkaufen und die Noten gleich dazu!?"


Jetzt nur nicht klein beigeben, denn das Kind hat sich schließlich mit der Entscheidung für ein Musikinstrument ein geniales Hobby ausgesucht, was mit seinen vielen positiven Nebeneffekten nicht nur so umfassend fördert wie kaum etwas anderes sondern auch völlig neue Horizonte eröffnet.


Beim Musizieren lernt das Kind neben dem Spielen des Instruments


1. Frustrationstoleranz, Geduld, Ruhe: An einer Sache dran bleiben und aus einer holprig gespielten Reihe von Tönen mit viel Geduld ein berührendes Musikstück zu machen.


2. Belohnung ohne Worte oder materielle Dinge: Beim Musizieren ist die beste Belohnung, dass es toll klingt! Dagegen sehen alle anderen Bestechungen (Spielzeug, Aufkleber...) blaß aus!


3. Beschäftigung mit den Gefühlen anderer = Empathieförderung: Musik drückt Gefühle und Gedanken des Komponisten aus. Beim Erarbeiten eines Stücks kommt man diesen auf die Spur und lernt sie verstehen.


4. Körperkontrolle: Wer ein Instrument beherrschen will, muss eine gute Kontrolle über seinen Körper haben. Kinder erfahren die Sensibilität für fein- und grobmotorische Abläufe.


5. Sich selbst vergessen können = Entspannung: Wer selbst ein Instrument spielt, wird die Erfahrung sicher schon gemacht haben, wie schön es sein kann, sich selbst beim Musizieren völlig zu vergessen und den entstehenden Klängen hinzugeben.


Gute Sache also! Ein Instrument zu erlernen lohnt sich auch, wenn kein zweiter Mozart in Ihrem Kind schlummert - obwohl mit ein wenig elterlicher Unterstützung viel mehr Mozart in den Kindern steckt als wir auf den ersten Blick vermuten.


Also wie bekomme ich nun die Motivation zurück in mein Kind?

Zum Blogartikel mit den Übetipps können wir zusätzlich jedem den praktischen Ratgeber "Jedes Kind ist musikalisch" empfehlen. Zusätzlich finden Sie unten stehend zehn Motivationsgeheimnissen für Eltern.


1. Interesse am Spiel des Kindes zeigen: Zuhören, sich die Noten zeigen lassen, sich das Lieblingsstück des Kindes vorspielen lassen.


2. Verständnis für die Unlust aufbringen: Hand aufs Herz - wir haben ja auch nicht immer zu allem richtig große Lust! Warum sollte es unseren Kindern anders gehen. Kinder können meist sehr genau benennen, warum sie keine Lust haben. Meistens gefällt ihnen das zu spielende Stück nicht oder es steht vor einem technischen Problem, was es (noch) nicht lösen kann.


3. Ans Üben erinnern: Wer als Anfänger zwei Mal täglich 10 Minuten auf seinem Instrument übt, wird sehr schnell besser! Dann macht das Musizieren auch gleich noch viel mehr Freude, die Motivation kehrt zurück. Also am besten mit dem Kind schon bei Abschluss des Unterrichtsvertrags einen Deal schließen: 2x 10 Minuten Musizierzeit täglich sind ohne Diskussion am Instrument zu verbringen. Spezial-Tipp: Eine schöne Eieruhr kaufen. Empfehlen können wir hier die rückwärts laufende Sanduhr von Paradox. Alternativ kann man prima mit Übelisten arbeiten. Ein Beispiel zum Ausdrucken finden Sie in dem Eltern-Ratgeber "Jedes Kind ist musikalisch".


4. Selber musizieren oder klassische Musik hören: Das ist heute eigentlich so einfach wie nie, wenn selbst die Berliner Philharmoniker auf Knopfdruck mit ihren Konzerten ins heimische Wohnzimmer kommen. Und doch ist es so schwer, weil es so viele Ablenkungen gibt, besonders durch die digitalen Medien, die uns eigentlich nur das Leben schöner machen wollen...

Also ran an den Computer oder das Tablet und nach coolen Konzerten stöbern, das alte Instrument entstauben und loslegen oder auch einmal ein Live-Konzert besuchen. Denn warum sollte Ihr Kind denn etwas tun, was es von Ihnen selbst nie sieht? Kinder machen einem alles nach - im Guten wie im Schlechten. Nutze Sie diese Erkenntnis aus!


5. Die Möhre vor der Nase: Es spricht nichts dagegen, hin und wieder einen kleinen Köder einzusetzen! Etwas wie: "Wenn du mehr als 20 Minuten geübt hast, bekommst du die zusätzliche Zeit eins zu eins als iPad/Fenseh-Zeit gutgeschrieben." oder "Wenn du 10 Lieder aus diesem Heft fehlerfrei spielen kannst, gehen wir zusammen ein Eis essen (ins Kino, Schwimmbad...)!" Das Funktioniert allerdings nur mit Dingen, die die Kinder nicht inflationär zur Verfügung haben. Ein Kind, was rund um die Uhr iPad spielen darf, wird sich natürlich kaum von Ihrem iPad-Deal begeistern lassen...


6. Nicht sparen bei gutem Unterricht: Gute Lehrer sind in der Regel auch gut gebucht, müssen also ihre Kunst nicht zu Dumpingpreisen anbieten. Generell ist ein Musikstudium eine gute Voraussetzung, um Kindern ein Musikinstrument beizubringen. Die Preise differieren von Region zu Region durchaus stark. Also am besten den ortsüblichen Tarif in Erfahrung bringen und sich daran orientieren.

Natürlich braucht man zum erfolgreichen Lernen mehr als nur eine gute Lehrkraft. Förderlich sind hier neben etwas Ehrgeiz beim Schüler vor allem auch das musikalische Umfeld Zuhause. Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist aber ein Pädagoge, der neben der Kunst des Musizierens ein Händchen für seine Schülerinnen und Schüler hat!


7. Gutes Notenmaterial: Nichts ist demotivierender als ein Stapel zerknickter Kopien! Wo wir Eltern oder Lehrkräfte schon schnell die Übersicht verlieren, sind Kinder einfach nicht in der Lage sich zu orientieren.

Also - auch wenn es auf den ersten Blick teurer anmutet: Kaufen Sie gut gemachte Ausgaben! Vergessen Sie nie: Originalnoten motivieren! Auch weil Sie Ihrem Kind hiermit eine Wertschätzung vermitteln. "Du und deine schöne Musik ist es mir wert, dass ich dir diese hochwertigen Noten kaufe!"

Bevor Sie zu abgelegten Ausgaben oder Kopien (die in vielen Fällen sogar illegal sind) greifen, kaufen Sie gleich zu Beginn der Musizierkarriere Ihres Kindes oder allerspätestens im Motivationstief gute Noten, also eine Instrumentalschule und Spielhefte als ergänzendes Material, die möglichst gute Aufnahmen enthalten. Empfehlen können wir an dieser Stelle die Ausgaben der Easy Concert Pieces, welche es für die Instrumente Querflöte, Klarinette, Saxofon, Blockflöte, Trompete, Klavier, Gitarre, Violine, Violoncello und Streichquartett gibt. Die Reihe wird fortgesetzt.


Und sollten Sie mit Ihrem Kauf doch nicht richtig gelegen haben, lassen sich neue oder nur leicht gebrauchte Noten gut auf Secondhand-Plattformen oder via Instrumentallehrkraft weiterverkaufen.



8. Das Instrument zum Erfolg: Aldi, Lidl & Co führen heute schon qualitativ gute Musikinstrumente. Ob diese für mehr als die ersten musikalischen Gehversuche geeignet sind, kann nur Ihre Instrumentallehrkraft entscheiden. Denn beim Musikinstrument lohnt sich die Einstellung "Geiz ist geil" in der Regel nicht!

Wer die günstige Alternative sucht, sollte sich bei Fachhändlern nach gebrauchten Instrumenten erkundigen. Auch der Musikpädagoge weiß hier in der Regel Rat und viele Musikschulen bieten für eine gerine Gebühr Leihinstrumente an.


9. Vorspielmöglichkeiten suchen: Klar sind Schülervorspiele eigentlich die Aufgabe der Lehrkraft, doch auch Eltern können motivierende Kurzfristziele für ihre Kinder finden. Ob das nun ein Geburtstagsständchen ist oder ein Lied bei der Schulaufführung, im Gottesdienst, Straßenmusik oder der Sonntagskonzert-Flashmob aus dem Wohnzimmerfenster ist! Vorspiele sind tolle Ziele! Und Motivation entsteht durch Ziele!

Auch kann man immer wieder schöne Musikstücke filmen oder mit dem Handy mitschneiden und damit die Fortschritte des Kindes dokumentieren. Wer bei einem Motivationstief des Kindes einmal gemeinsam in alten Aufnahmen stöbert, kann sicher gemeinsam lachen und sich vom Kind anschliessend bedeutend bessere Versionen vieler Musikstücke vorspielen lassen.


10. Guter Kontakt zur Lehrkraft: Für eine Lehrkraft ist es hilfreich zu wissen, was dem Kind Spaß macht und was nicht. Also bitte zögern Sie nicht, wenn "Hänschen Klein" nicht der Tophit des Jahres ist oder das Kind statt Beethoven einfach einmal eine Runde Popmusik braucht. Eine Lehrkraft hat meist noch ein paar gute Ratschläge im Gepäck, wie das Kind schnell seine Freude wiederfindet und worauf Sie als Eltern achten können.




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